Fahrgastbeirat fordert leisere Türpieper in Zügen

Im Jahr 2016 hatte ich mich über laute Türpieper in den Zügen der Odenwaldbahn und der HLB geärgert, und einen Artikel in diesem Blog geschrieben.

Nun hat der Dadina-Fahrgastbeirat einen (von mir eingebrachten) Antrag beraten und einstimmig beschlossen. (Tagesordnung der Sitzung von Februar 2020, TOP 5.1)

Das Protokoll wurde noch nicht veröffentlicht. Zitat daraus:

  1. Der DADINA-Vorstand wird aufgefordert, auf die Unternehmen HLB sowie VIAS einzuwirken, die Warnanlagen an den Türen ihrer  Züge innerhalb von 6 Monaten mit einer adaptiven Lautstärkeregelung auszustatten.
  2. Bei zukünftigen Ausschreibungen von Bahn-Verkehrsleistungen wird die adaptive Lautstärkeregelung an den Türen verpflichtende Vorgabe.

Es wird empfohlen, den Antrag nicht auf die Unternehmen HLB und VIAS zu beschränken, sondern dies generell zu fordern, z.B. auch für Straßenbahnen der HEAG mobilo.

 

“Öko”Siedlung in Friedrichsdorf – gut fürs Image, gut fürs Auto, schlecht für die Umwelt

Was ist eigentlich eine Ökosiedlung? Nach Wikipedia ein Stadtteil, der an ökologischen Kriterien ausgerichtet ist. Insbesondere werden die Verkehrsplanung und der Energiestandard genannt.

In diesem Artikel werde ich verschiedene Aspekte der Friedrichsdorfer Ökosiedlung beleuchten und hinterfragen.

Verkehrskonzept

Von einer Ökosiedlung erwarte ich, dass das Auto soweit wie möglich zurückgedrängt wird. Es sollte unbequem sein, ein Auto zu nutzen, und Fahrräder sollten wohnungsnah abgestellt werden können.

Mit dem Fahrrad und auch mit Rollator sollte man sich in der ganzen Siedlung bewegen können. Autos sollten in der Siedlung nicht sichtbar sein. Auf breiten Gehwegen oder in verkehrsberuhigten Bereichen sollen Fußgänger flanieren können. Der ÖPNV sollte häufig fahren, und eine direkte Anbindung zur Stadtmitte und zum Bahnhof bieten.

Breite Stellplätze, schmale Gehwege (1,75 m)


Was tatsächlich gebaut wird:

Auto

Für Autofahrer gibt es in der Ökosiedlung paradiesische Verhältnisse: Es gibt pro Wohneinheit zwei Stellplätze in einer Tiefgarage. Von dort gibt es einen direkten Zugang zur Wohnung. Zusätzlich sind die Straßenränder mit Stellplätzen gepflastert.
Es gibt keinen Grund, auf sein Auto zu verzichten.

Schmaler Gehweg, breite Fahrbahn, viele Kfz-Stellplätze: Flächenverteilung in der Ökosiedlung.

So wird’s eine Ökosiedlung:

1) Tiefgaragenplätze so zuweisen, dass man einen großen Fußweg bis zu seinem Auto hat (gemäß der These von Prof. Knoflacher, dass für eine Mobilitätswende der Fußweg zur Bushaltestelle kürzer als der Weg zum Auto sein muss)

2) Weniger Kfz-Stellplätze am Fahrbahnrand (keine Kfz-Dominanz), Parken auf 2h beschränken.

3) Bauliche Verkehrsberuhigung durch Kölner Teller etc.

Fahrrad

In der Siedlung gibt es diverse Treppenanlagen, dadurch sind Umwege erforderlich. Die meisten Wohnungen sind somit nur von einer Seite mit dem Fahrrad zu erreichen. Vor den Gebäuden gibt es gerade mal genug Fläche für die Mülltonnen. Für Fahrräder ist da kein Platz mehr. Wenn es Abstellanlagen gibt, ist der Abstand zwischen den Bügeln mit 1,00 m zu gering (gemäß Stellplatzsatzung 1,20 m erforderlich).

Wo ist Platz für abgestellte Fahrräder vor den „Gartenstadthäusern“?

So wird’s eine Ökosiedlung:

1) Fahrradabstellanlagen mit Rahmenanschließmöglichkeit vor jedem Haus (2,5 je Wohneinheit)

2) Rampen statt Treppenanlagen

Fußgänger

Zu Fuß gehen ist an vielen Stellen nur auf schmalen Gehwegen möglich. Die Breite der meisten Gehwege beträgt 1,75 m – 1,80 m, Laternenmasten stehen mitten auf dem Gehweg (Restbreite 1,40 m). Dies widerspricht den „Empfehlungen für die Anlage von Stadtstraßen“ (RASt 2006 der FGSV, Kapitel 6.1.6.1): dort sind 2,30-2,50 m angegeben (1,80 m Grundraum + 20 cm Hausabstand + 30-50 cm Sicherheitsabstand zur Fahrbahn).
Wo Autos senkrecht geparkt werden (nebeneinander), fehlt der Sicherheitsabstand von 70 cm für den Fahrzeugüberhang. Die nutzbare Gehwegbreite wird dadurch reduziert.
An mehreren Stellen gibt es Treppenanlagen ohne Rampen, dadurch sind Umwege für Rollstuhlfahrende oder Rollator-Benutzerinnen erforderlich.

War das notwendig? Treppenanlage ohne Rampe.

So wird’s eine Ökosiedlung:

1) Gehwegbreite mindestens 2,50 m

2) Bei Senkrechtparkern verhindern, dass auf den Gehweg gefahren werden kann (Querbalken)

3) Rampen statt Treppenanlagen

4) Keine Einbauten auf die Gehwege platzieren (Laternenmaste etc.)

5) Sitzbänke in der Siedlung verteilen

Der Fahrzeugüberhang bei Senkrechtparkern wurde nicht berücksichtigt. Dadurch haben Fußgänger nur 1,20 m Raum.

ÖPNV

Bushaltestellen gibt es lediglich außerhalb des Quartiers. Von der Haltestelle „Friedrichsdorf Ökosiedlung“ fährt die Buslinie 54 Friedrichsdorf-Köppern. Gemäß dem RMV-Fahrplan 2020 fährt sie werktags stündlich (in der Hauptverkehrszeit halbstündlich). Am Wochenende fährt der Bus alle 90 Minuten. Nach 19 Uhr gibt es keine Fahrten. Sonntags fährt der erste Bus erst um 13 Uhr.
Immerhin wird der Friedrichsdorfer Bahnhof direkt in 6 Minuten und das Ortszentrum in 3 Minuten erreicht. Das Mittelzentrum Bad Homburg wird direkt in 30 Minuten erreicht.
Für eine Ausweitung des Fahrplans wird es höchste Zeit: die ersten Bewohner wohnen schon dort.


Fahrtweg der Buslinie 54 von der Ökosiedlung (grün) zum Bahnhof und nach Bad Homburg (rot).
Quelle: RMV

Dann gibt es noch die Linie 53, die bis zum Bahnhof eine Stadtrundfahrt macht, und die auch nicht direkt an der Ökosiedlung hält, sondern an der Haltestelle “Plantation”.

Fahrtweg der Buslinie 53 von der Ökosiedlung (grün) zum Bahnhof. Zurück geht’s schneller (Ringlinie).
Quelle: RMV

Dieser Bus fährt gemäß Fahrplan Mo-Fr zwischen 6:30 Uhr und 19:30 Uhr stündlich mit Verstärkerfahrten in der Hauptverkehrszeit (vom Bahnhof bis 22 Uhr). Samstags stündlich, sogar bis 1 Uhr. Sonntags kein Betrieb.

So wird’s eine Ökosiedlung:

1) Busangebot Mo-Sa zwischen 8 und 20 Uhr alle 30 Minuten (mit Vertaktung zur S-Bahn), zwischen 5..8 Uhr und 20..23 Uhr stündlich, sonntags zwischen 8..20 Uhr stündlich. Rufbus/Anrufsammeltaxi in der übrigen Zeit.

2) Bushaltestelle im Quartier, zumindest für die Fahrtrichtung Bahnhof / Bad Homburg.

Carsharing / Bikesharing

An einem Ort im Quartier sind Stellplätze für Carsharing und Bikesharing vorgesehen. Diese sollen über eine selbstentwickelte App gebucht werden können. Aber: „Ansprüche auf die tatsächliche Bereitstellung der E-Mobilität bestehen nicht“.

So wird’s eine Ökosiedlung:

Kostenfreier Lastenradverleih mit 3 Rädern, Ausleihdauer bis zu 3 Tagen. (Freie Lastenräder)

Kostenfreier Verleih von Lastenkarren zum Transport vom Parkhaus zur Wohnung. Gerne auch Verleih von Kinderspielzeug.

Energiestandard

Die meisten oder alle Gebäude in der Ökosiedlung Friedrichsdorf werden nach dem Standard KfW Effizienzhaus 55 gebaut. Das bedeutet, dass der Heiz-Wärmebedarf dieser Gebäude bis 35 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr beträgt. (Quelle)

Unverständlich für mich ist, warum man nicht im bestmöglichen Standard, dem Passivhausstandard, gebaut hat. Der Heiz-Wärmebedarf dieser Gebäude beträgt nämlich nur 15 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr. Die jetzt gebauten Gebäude haben mehr als doppelt so viel Wärmebedarf! (dazwischen gibt es noch den Standard KfW Effizienzhaus 40 mit 25 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr)

Übrigens ist der Bau nach KfW-Standard nichts besonders erwähnenswertes. Von den zwischen 2010 und 2016 neu gebauten Wohnhäusern haben über 75 % einem KfW-Standard entsprochen. (Quelle, S. 7)

Ich habe ausgerechnet, dass in einem Zeitraum von 30 Jahren ein Mehrbedarf von 14 Millionen Kilowattstunden Erdgas anfällt, weil nicht nach Passivhausstandard gebaut wird.

Die Idee eines Nahwärmenetzes mit 54°C Temperatur finde ich sehr gut.

Dass es einen großen Eisspeicher (1.200 m³) mit Wärmepumpe gibt, ist aus meiner Sicht vor allem ein Gadget. Dass der Eisspeicher mit Erde überdeckt wird und dadurch gut isoliert ist, finde ich gut.

Der Speicher soll mit Kälte befüllt werden, die aus Sonnenwärme produziert wird. Dafür gibt es:

  • 500 m² Solarthermie (als Hybridmodul mit zusätzlicher Photovoltaik) und
  • 300 m² Solarabsorber (schwarze Kunststoffschläuche).

Aber es gibt auch

  • einen Gaskessel mit 1.500 kW für den Winterbetrieb,
  • einen Thermoölkessel mit 300 kW, und
  • ein gasbetriebenes Blockheizkraftwerk (BHKW) mit 250 kW elektrisch und 300 kW thermisch.

Der im BHKW gewonnene Strom soll für den Betrieb der Wärmepumpe ausreichen (welche Flüssigkeit mit Hilfe der Eisspeicher-Kälte fürs Nahwärmenetz auf 54°C erwärmt). Das BHKW soll ganzjährig betrieben werden.

Die solar erzeugte Energie soll vor allem das Trinkwasser erwärmen, sowie im Frühling und Herbst die gasbetriebene Heizung unterstützen.

Wenn man zwei Wärmenetze gebaut hätte, könnte man die Kälte im Sommer direkt ins Haus leiten und damit das Gebäude kühlen. Hat man aber nicht.

Wird es auf den Hausdächern Photovoltaik oder Solarthermie geben? Nein. Es gibt zwar eine Dachbegrünung, aber warum wird diese große Fläche nicht aktiviert?

Noch schlimmer: Es gibt das Gerücht, dass Gebäudebesitzer keine Photovoltaik- oder Solarthermieanlage aufs Dach bauen dürfen!

So wird’s eine Ökosiedlung:

1) Passivhaus-Standard bei allen noch nicht erstellten Gebäuden

2) Photovoltaik auf den Dächern, zumindest Vorrüstung (Statik, Leerrohr aufs Dach, Platz im Stromverteiler), zumindest erlauben

Baustoffe

Welche Baustoffe werden verwendet? Die Stadt Friedrichsdorf fordert in ihrem Exposé: „Die Gebäude sollen in energieeffizienter Bauweise errichtet werden.“

Aus meiner Sicht sollten die tragenden Wände aus Holz sein, oder zumindest aus Kalksandstein. (kleiner ökologischer Rucksack)

Tatsächlich werden die tragenden Wände der meisten Gebäude aus energieintensivem Stahlbeton errichtet.

Immerhin ist die Wärmedämmung aus Mineralwolle, und nicht aus Polystyrol (also Erdöl). Die Dicke beträgt nur 20 cm.

So wird’s eine Ökosiedlung:

Holz statt Beton als Baumaterial für tragende Wände

Wassermanagement

Im Exposé der Stadt Friedrichsdorf wird ein ökologisches Brauchwasser- und Regenwassermanagement gefordert. Davon höre und sehe ich nichts.

So wird’s eine Ökosiedlung:

Ökologisches Brauchwasser- und Regenwassermanagement realisieren.

Warum nur?

Warum konnte diesem semi-ökologischen Konzept der Zuschlag gegeben werden? Das liegt an den von der Stadt Friedrichsdorf vorgegebenen Vergaberichtlinien, und an der Friedrichsdorfer Stellplatzsatzung.

Friedrichsdorf möchte keine Ökosiedlung um der Ökologie willen bauen, sondern den Namen „Ökosiedlung“ als Image verkaufen, um Friedrichsdorf attraktiv zu machen. Zitat: “Ein neues Wohnquartier mit eigenem Image soll entstehen, um das Zuzugspotential zu heben.” (Vorlage 19/2014 auf https://friedrichsdorf.ratsinfomanagement.net/, Kapitel 4.1).

Warum werden keine Passivhäuser gebaut? In der Vergaberichtlinie steht: „Der Energieeffizienzhausstandard KfW 70 muss mindestens erreicht werden.“ (S. 13) Warum nur? Warum stehen Passivhäuser nicht in der Vergaberichtlinie? Ein Versäumnis der Friedrichsdorfer. Ein Grund könnte in Kapitel 4.4 stehen: „Friedrichsdorf verfolgt die Absicht, höchstmögliche Erträge zu erzielen.“ Tja, Ökologie schmälert halt den Ertrag.

Warum gibt es so viele Parkplätze, dass die Autos das Quartier dominieren werden? „Die Stellplätze müssen den Maßgaben
der Stellplatzsatzung genügen.“ (Vorlage 51/2013)

In der von der Friedrichsdorfer Kommunalpolitik beschlossenen Stellplatzsatzung steht (Stand 2019): „2 Kfz-Stellplätze je Wohneinheit bzw. Einfamilienhaus“.
Das ist der höchste Wert aller hessischen Kommunen! Somit müssen für die 360 Wohneinheiten 720 Kfz-Stellplätze errichtet werden. Der Flächenbedarf dafür beträgt 9.000 m²! (bei 12,5 m² je Fahrzeug)
Ausserdem sind drei Fahrrad-Abstellplätze pro Einfamilienhaus und zwei Fahrrad-Abstellplätze pro Wohneinheit vorgeschrieben. Ausserdem 2-3 Besucher-Stellplätze pro Gebäude ab 6 Wohneinheiten.

Es gibt jedoch seit einer Satzungsänderung von 2019 die Möglichkeit, ein Viertel der Kfz-Stellplätze durch Fahrrad-Abstellplätze zu ersetzen (1 Kfz durch 4 Räder). Ob der Bauherr diese Möglichkeit einsetzt, ist unklar.

Die Friedrichsdorfer Stellplatzsatzung könnte natürlich viel sinnvoller gestaltet sein. In Darmstadt zum Beispiel müssen nur 0,9 Kfz-Stellplätze je Wohneinheit errichtet werden. In Bereichen mit Parkraumbewirtschaftung müssen gar keine Stellplätze errichtet werden. Je Wohneinheit müssen in Darmstadt 2,5 Fahrradabstellplätze errichtet werden.

So wird’s eine Ökosiedlung:

1) Mehr Farbe in die Siedlung (Wandfarben)

2) Kunst im öffentlichen Raum

3) Angebot an Gemeinschaftsräumen

4) Angebot an Ladenfläche für unkommerzielle Nutzungen (z.B. Umsonstladen, Leihladen)

5) Stellplatzsatzung ändern

Fazit

Die Stadt Friedrichsdorf will eine „Öko“siedlung für ihr gutes Image. Diese soll maximal viele Kfz-Parkplätze haben (mit direktem Tiefgaragen-Zugang von der Wohnung), und maximalen finanziellen Ertrag bringen. Eine Speckgürtel-Siedlung für eine Speckgürtel-Stadt. In Frankfurt arbeiten, in Friedrichsdorf wohnen, mit dem Auto pendeln und im Taunus-Carree einkaufen.

Dass dabei keine echte Ökosiedlung herauskommen kann, war vorherbestimmt und zeigt sich momentan in der Realisierung:

  • Weder die Richtlinien für Fußgängeranlagen noch die für Fahrradabstellanlagen werden eingehalten.
  • Die Gebäude sind aus energieintensivem Beton gebaut und so schlecht isoliert, dass sie mehr als doppelt so viel Heizwärme benötigen, wie möglich wäre.
  • Die Energie der Sonne wird unzureichend genutzt, es gibt keine Solaranlagen auf den Dächern und der Eisspeicher wird im Wesentlichen für die Trinkwassererwärmung genutzt.
  • Die Kälte des Eisspeichers wird nicht dafür genutzt, die Gebäude im Sommer zu kühlen.
  • Die Bedingungen für Autofahrer sind so paradiesisch, dass niemand auf die Nutzung des privaten Autos verzichten wird.
  • Der Bus fährt nur stündlich, nicht nach 19 Uhr und Sonntags erst ab 13 Uhr.

Noch sind nicht alle Gebäude und Wege errichtet, Verbesserungen sind noch möglich. Ich wünsche mir, dass die Stadt Friedrichsdorf Nachbesserungen einfordert.

Eine gute und stets aktuelle Dokumentation des Baufortschritts gibt es übrigens bei deutsches-architekturforum.de.

Der Autor Mathias Metzger hat netterweise meinen Blogartikel verlinkt.

kein Gehwegparken mit Denkmalschutz

In der Heidenreichstraße im Woogsviertel konnte man bisher den Gehweg kaum benutzen: Autos parkten mit allen vier Rädern darauf.

Der Gehweg besteht im Abschnitt Gundolfstraße bis Roßdörfer Straße aus historischem Mosaikpflaster, welches durch die Lenkbewegungen und das Gewicht der Fahrzeuge beschädigt wird.

Die Abteilung Nahmobilität des Mobilitätsamts und die Abteilung Denkmalschutz des Stadtplanungsamts haben nun eine Lösung erarbeitet, um den Gehweg wieder begehbar und erlebbar zu machen: vereinzelt platzierte Betonquader (Sitzpoller).

Allerdings sah es am nächsten Tag aus wie zuvor, nur dass jetzt Sitzpoller zwischen den Autos standen.

Dank einer engagierten Kommunalpolizei, die mehrere Wochen lang jeden Tag zu Besuch kam und auch abschleppen ließ, sieht es nun in der Heidenreichstraße so aus:

UBA-Studie: Tempolimit für Klimaschutz

Ein generellen Tempolimits auf Bundesautobahnen kann zum Klimaschutz im Verkehrs beitragen. Mit aktuellen Daten zu den Geschwindigkeiten von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen auf Bundesautobahnen und detaillierten Werten zu deren Kohlendioxid-Emissionen in Abhängigkeit der Geschwindigkeit wurde die Wirkung eines generellen Tempolimits auf Bundesautobahnen auf die Treibhausgasemissionen des Verkehrs berechnet.

Die Vorgehensweise, Berechnungsschritte, verwendeten Eingangsdaten und getroffenen Annahmen werden in der vorliegenden Kurzstudie detailliert beschrieben. Als Ergebnis werden für ein generelles Tempolimit von 100 km/h, 120 km/h und 130 km/h auf Autobahnen die Treibhausgas -Minderungen bestimmt.

https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/klimaschutz-durch-tempolimit

Mehr Radverkehr in Darmstadt

Die SrV-Studie der TU Dresden belegt einen steigenden Radverkehrsanteil in Darmstadt.

https://www.darmstadt.de/nachrichten/darmstadt-aktuell/news/studie-der-tu-dresden-belegt-steigenden-anteil-des-radverkehrs-in-darmstadt

https://www.echo-online.de/lokales/darmstadt/anteil-des-radverkehrs-in-darmstadt-steigt_21229974

Im Folgenden einige Auszüge, es ist jeweils der ModalSplit gemeint (also die Anzahl der Wege mit einem bestimmten Verkehrsmittel).

Radverkehrsanteil:
2013 – 17 %
2018 – 22 %

Radverkehrsanteil (nur Fahrten innerhalb DA):
2013 – 21 %
2018 – 26 %

Anteil Fuß/Rad/ÖPNV (nur Fahrten innerhalb DA):
2013 – 72 %
2018 – 73 %

Radverkehrsanteil für Wege 1-3 km:
2013 – 29 %
2018 – 37 %

Kfz-Anteil für Wege 1-3 km:
2013 – 34 %
2018 – 28 %

Kfz-Anteil:
2013 – 37 %
2018 – 35 %

Brücke ins Edelsteinviertel wird weitergeplant

Seit der Absage der Landesgartenschau 2022 ist es sehr ruhig geworden um die Brücke über die Odenwaldbahn ins Edelsteinviertel.

Jetzt gab es überraschend die Auskunft, dass die Planung wieder aufgenommen werden soll.

https://www.echo-online.de/lokales/darmstadt/verbesserungen-fur-darmstadts-osten_20531056

Das wird vor allem die Menschen freuen, welche mit Fahrradanhänger oder Lastenrad vom Woogsviertel zum Oberfeld kommen wollen.
Denn das bisherige Angebot ist ein Bahnübergang mit viel zu engem Drängelgitter.

Zitat aus dem Artikel: “Im nächsten Jahr (2020) könnte der Planungsauftrag vergeben werden.” – also wird es wohl noch fünf Jahre dauern mit der Fertigstellung der Brücke.

Meeresspiegel steigt – in Großbritannien werden Dörfer aufgegeben

https://www.tagesschau.de/ausland/klimawandel-dorf-101.html

Fairbourne in Wales soll bis zum Jahr 2045 rückgebaut werden.


Zitat aus dem Bericht:

Die Zahl der britischen Immobilien, die Gefahr laufen, überschwemmt zu werden, wird sich in den nächsten Jahren auf 1,5 Millionen erhöhen.

neue Stellplatzsatzung ist vorbildlich

Wer ein Gebäude errichtet, muss Stellplätze für Kfz und Abstellplätze für Fahrräder nachweisen. Dies ist in der kommunalen Stellplatzsatzung vorgeschrieben.

Nur: wie viele Stellplätze sind zu errichten? Und welche Auswirkungen hat es auf die Verkehrsmittelwahl?

Ich sehe es so: Wenn es viele Parkplätze auf dem Grundstück gibt, ist einerseits weniger Platz für Grün und Kinderspiel, andererseits ist das Auto ganz in der Nähe der Wohnung.

Wenn das Auto ganz in der Nähe ist, wird es auch häufig genutzt.
Wenn das gesellschaftliche Ziel ist, dass weniger Auto gefahren wird, sollte das Auto möglichst weit weg von der Wohnung parken.

Der Mensch nutzt (in der Regel) das Verkehrsmittel, welches am wenigsten Kalorien verbraucht. Damit man die Straßenbahn benutzt, muss der Weg zum Auto länger sein als zur Straßenbahnhaltestelle. So hat man sein Gehirn ausgetrickst. Denn der Fußweg zur Straßenbahn verbraucht nicht so viel Energie wie der Weg zum Auto.

Die Stellplatzsatzungen der hessischen Kommunen unterscheiden sich erheblich. Ein 2015 von mir erstellter Vergleich der Stellplatzsatzungen ergab pro Wohneinheit im Mehrfamilienhaus 0,7 (Offenbach) – 2,0 (Friedrichsdorf) Stellplätze.

In Darmstadt waren es bislang 1,2 Stellplätze.
Wenn die Stadtverordnetenversammlung am 18. Juni der Vorlage 2019/0145 zustimmt, werden es zukünftig 0,9 Stellplätze sein.

 In der neuen Stellplatzsatzung stehen einige Highlights:

  • In Gebieten mit guter ÖPNV-Anbindung reduziert sich die Zahl der herzustellenden Stellplätze.
  • Alternativ können mehr Fahrradabstellplätze errichtet werden.
  • Falls ein Gebäude aufgestockt wird, muss dafür kein Stellplatz nachgewiesen werden.
  • Wenn es im Stadtteil eine Parkraumbewirtschaftung gibt, entfällt die Pflicht zur Stellplatzschaffung.
  • Es müssen mehr Fahrradabstellplätze geschaffen werden. Für Mehrfamilienhäuser z.B. 2,5 statt 2 pro Wohneinheit.

 

Bürgerhaushalt 2019 – Verkehrswende im Fokus

Am 16. Mai sind die Abstimmungen zum ersten Bürgerhaushalt 2019 zu Ende gegangen.

https://da-bei.darmstadt.de/topic/vorschlaege2019#pageid=1&sort=votesum&status=show&number=&title=&attribute78=&attribute65=

Die Top-8 Vorschläge werden bearbeitet.

Es wurden gewählt:

  1. Gehwege für Fußgänger – Gehwegparken ahnden, v.a. wenn weniger als 1m Platz ist (132 Stimmen)
    Ich hatte kommentiert:
    Tut mir leid, aber 1 Meter Restgehwegbreite ist mir zu wenig. Gemäß der Richtlinien sind 2,50 m erforderlich. Eine Mindestbreite zum Gehwegparken unter 1,80 m ist für mich indiskutabel. Bis auf die Breitenangabe ist der Inhalt unterstützenswert.

  2. Blumenwiesen auf öffentlichen Grünflächen (112 Stimmen)

  3. Tempo 30 für die Sicherheit von Fußgängern, Radfahrern (94 Stimmen)

  4. Mehr Grün- und Blumenflächen (91 Stimmen)

  5. Eintrittskarten Staatstheater Darmstadt RMV-Fahrkarte inklusive (85 Stimmen)

  6. Kreuzung Nieder-Ramstädter-Straße / Hochstraße / Mühlstraße verbessern (82 Stimmen)


  7. Autofreier Sonntag (81 Stimmen)
    Weltweit wird am 22.09. der “World Car Free Day” gefeiert. Ein “Autofreier Sonntag” oder “Autofreier Feiertag” würde in Darmstadt ein Bereicherung darstellen. In Kombination mit z.B.: freiem ÖPNV, Verkaufsoffener Sonntag, Heiner Fest, Schloßgrabenfest…

  8. Strom-Energie Einsparung (78 Stimmen)
    Vermeidung von Lichtverschmutzung, dimmen der öffentlichen Straßenbeleuchtung. Vor allem Verbot des “wandernden” Laserstrahls.

Leider nicht gewählt wurde:

Historisches Gehweg-Mosaikpflaster erhalten (76 Stimmen)

Mittelinsel statt Ampel bei Merck finden alle toll

Viele Bedenken gab es für die Idee, eine Fußgängerampel durch eine ca. 150 m lange Mittelinsel zu ersetzen, und Tempo 30 anzuordnen.

Nun, ein Jahr nach dem Umbau, titelt das Darmstädter Echo:

Stau- und unfallfrei kommen Autofahrer, Fußgänger, Radler und auch Straßenbahnfahrer durch die neu gestaltete Frankfurter Straße: Das ist die Bilanz ein gutes Jahr nach dem Start der neuen Verkehrsführung in Höhe der Merck-Zentrale. Rückbau der Autospuren, Tempo 30, freies Überqueren für Fußgänger ohne Ampel: Das funktioniert, sagen heute selbst die schärfsten Kritiker.

https://www.echo-online.de/lokales/darmstadt/staufrei-und-unfallfrei-durch-die-tempo-30-zone_19972227


Aufstehen fürs Klima

Heute war ein großartiger Tag.

Tausende Schüler haben sich die Zeit genommen, um in Darmstadt für eine andere Klimapolitik zu demonstrieren.

Eine so große und bunte Demonstration hat Darmstadt schon lange nicht mehr gesehen! Ich bin mitgelaufen und habe zu und mit den Schülern gesprochen.

Es geht darum, dass sich etwas ändert, und zwar radikal! Die Zeit für einen Wandel läuft uns davon.

Ich finde es großartig, dass endlich die Schüler aufstehen und ihre Stimme erheben. Wir sollten alle mitmachen!

Ich finde es unglaublich, dass so viele Menschen die derzeitige Verkehrspolitik unterstützen. Die Huldigung des Autos, die Huldigung der Arbeitsplätze. Was ist eigentlich wichtig im Leben?

Auf jeder Zugtoilette kann man es lesen: “Bitte verlasse diesen Ort so, wie du ihn gerne vorfinden möchtest.” Vielleicht sollten wir öfters Zug fahren, um diesen wahren Satz öfters lesen und beherzigen zu können.

Luftreinhalteplan für Darmstadt aktualisiert

Der offizielle Luftreinhalteplan für Darmstadt ist ein wichtiges Dokument, denn darin sind die Maßnahmen festgeschrieben, welche die Einhaltung der Luftschadstoff-Grenzwerte sichern sollen.

In früheren Ausgaben des Luftreinhalteplans steht z.B. die Umweltzone oder das LKW-Durchfahrtsverbot. Auch der Umbau von Ampelanlagen für einen besseren Durchfluss wurde dadurch gefordert.

Die aktuelle Veröffentlichung der 3. Fortschreibung (PDF 92 Seiten) hat es in sich:

Durchfahrtsverbote für alte Diesel in Heinrichstraße/ Hügelstraße, Reduzierung der Fahrspuren im Citytunnel, Tempo 30 an einigen Stellen und andere Maßnahmen.

Kommentare können ans Hessische Umweltministerium geschrieben werden.

.. weiterer Text folgt ..

Kein toleriertes Gehwegparken in Karlsruhe mehr

Karlsruhe macht Ernst: Ab sofort gibt es fürs illegale Gehwegparken Knöllchen.

Die Lokalpresse berichtet:

https://www.ka-news.de/parken-karlsruhe./

Über das Projekt habe ich bereits hier berichtet:

Gehwegparken – Vorbild Karlsruhe

Einige Zahlen: 17..20 Überwachungskräfte, täglich 720 / 530 / 460 / 370 Verwarnungen.

Oft zu hören seien Aussagen wie “Endlich freie Gehwege für Fußgänger” und “Jetzt gibt es endlich Transparenz und eindeutige Regeln.”

Weitere Einbahnstraßen freigegeben

Hurra, die Stadt Darmstadt wird bald weitere Einbahnstraßen für Radfahrer in Gegenrichtung freigeben:

Roßdörfer Straße, Gutenbergstraße und ein Teilstück der Pädagogstraße.

Bereits jetzt sind freigegeben: Weyprecht- und die Riedeselstraße sowie die Steinackerstraße.

Quelle: https://www.echo-online.de/lokales/darmstadt/radeln-entgegen-der-fahrtrichtung_19907621

Vollbildanzeige

Grünen bringen ökologisches Grundeinkommen ins Gespräch

Zitat aus heutigen Zeitungen:

Grünen-Chefin Annalena Baerbock sagte, mit dem Klimaschutzgesetz müsse auch eine CO2-Bepreisung kommen. Ein Teil der Einnahmen solle dann als Energiefeld pro Kopf wieder ausgezahlt werden. “Davon würden vor allem Haushalte mit kleineren Einkommen und geringerem CO2-Fußabdruck sowie Familien profitieren.”

Ich freue mich sehr über diese öffentliche Thematisierung eines ökologischen Grundeinkommens.
Ulrich Schachtschneider hatte diese Idee bereits im Jahr 2014 in seinem Buch “Freiheit, Gleichheit, Grundeinkommen” beschrieben.

Schachtschneider nennt seine Theorie “Tax and Share”.
Einen Überblick über das Buch gibt es bei der Encyclopaedia.
Eine Abhandlung zum Thema hat Schachtschneider auf der Degrowth 2014 gehalten.
Schachtschneider hat seine Theorie in einem Vortrag erläutert.
In meiner Radiosendung “Global denken – Lokal handeln” habe ich das Buch rezensiert (ab Minute 27:55).

** Update 26. Januar: auf heise.de ist ein Artikel zum Thema erschienen. **

Verkehrswende für Darmstadt