Gehwegbreiten bei Neuplanung – Beispiel Weiterstädter Straße

Die Weiterstädter Straße in Darmstadt-Arheilgen führt von der Ortsteilmitte zum Bahnhof und zum Friedhof. Deshalb wird sie häufig von Fußgängern benutzt.

 

Die Straße ist sanierungsbedürftig und soll grundlegend erneuert werden. Welche Gehwegbreiten wurden hier angesetzt?

In der Beschlussvorlage 2014/0066 von April 2014 sind die Planunterlagen enthalten. Daraus geht hervor:

Die Weiterstädter Straße [..] ist Zubringer für den Arheilger Friedhof [und] für den S-Bahn Haltepunkt Arheilgen.

Die Neugestaltung der Weiterstädter Straße umfasst den kompletten Neubau der Fahrbahn und der Gehwege.

Die Parkierungsflächen für den PKW-Verkehr sind ausschließlich auf den Seitenstreifen vorgesehen. Bei der Platzierung der Parkierungsflächen war Voraussetzung, dass die Gehfläche eine Mindestbreite von 1,50 m hat. Um ausreichend Parkraum anbieten zu können, wurde die Breite der Parkplätze mit 1,75 m festgelegt. Dadurch können in der gesamten Ausbaustrecke 47 Parkplätze angeboten werden. Die Geh- und Parkierungsflächen werden mit sickerfähigem Rechteckpflaster befestigt, wobei die Gehflächen hellgraue und die Parkierungsflächen dunkelgraue Farbe haben.

Die Weiterstädter Straße befindet sich in einer Tempo-30-Zone, sodass Radverkehr und motorisierter Verkehr gemeinsam die Fahrbahn benutzen.

 

Querschnitt 65-77

Die Parkplätze sind Teil des Gehweges. Deshalb ist zu befürchten, dass die Autofahrer ihr Fahrzeug so abstellen, dass die Fahrbahn komplett frei ist, aber die nutzbare Gehwegbreite eingeschränkt wird. Dabei sind 1,50 m schon weniger als die zulässige Mindestbreite!

Auf den obigen Fotos ist die Situation in der angrenzenden Frankfurter Landstraße zu sehen, in der ebenfalls auf dem Gehweg Parkstände gepflastert wurden.

Hier einige Fotos von der Bismarckstraße mit einer Parkstandsbreite von 2,00 m (also 25 cm breiter als in der Weiterstädter Straße geplant). Es ist zu sehen, dass die Breite gerade so ausreicht.


Zudem ignorieren viele Fahrzeugführer, dass das Gehwegparken nur auf den markierten Flächen gilt.

Querschnitt auf Höhe der Hausnummer 71 bzw. 82. Erstellt mit streetmix.com
Querschnitt auf Höhe der Hausnummer 71 bzw. 82, Blickrichtung Westen. Erstellt mit streetmix.com
Querschnitt auf Höhe der Hausnummer 41 bzw. 50
Querschnitt auf Höhe der Hausnummer 41 bzw. 50, Blickrichtung Westen. Erstellt mit streetmix.com.
Querschnitt auf Höhe der Hausnummer 25, Blick nach Westen. Erstellt mit streetmix.com
Querschnitt auf Höhe der Hausnummer 25, Blick nach Westen. Erstellt mit streetmix.com.

Folgende Breiten konnten den veröffentlichten Planunterlagen entnommen werden:

  • Die Breite des Straßenraumes schwankt zwischen ca. 10 und 13 m.
  • Die Fahrbahnbreite beträgt i.d.R. 5,75 m. An Engstellen 3,50 m, im Anschlussbereich an die Frankfurter Landstraße 6,00 m.
  • Die geplante Gehwegbreite beträgt in Teilbereichen lediglich 1,48 m (z.B. bei Hausnr. 39), sie wird durch „unperfekt“ parkende und überbreite Fahrzeuge weiter reduziert werden. Eine Gehwegbreite von 2,50 m wird nur in kurzen Teilbereichen erreicht.
  • Die Fahrzeugbreite der parkenden Fahrzeuge beträgt im Plan 1,75 m, tatsächlich aber 1,90 .. 2,10 m (incl. Rückspiegel) (Quelle). Nur der Smart ist lediglich 1,75 m breit.

Wir schlagen vor:

  • Gehwegbreite durchgängig 2,50 m, da die Weiterstädter Straße eine Haupt-Fußwegeverbindung zum Arheilger Bahnhof ist.
  • Die Mindest-Gehwegbreite beträgt gemäß der „Empfehlungen für Fußgängeranlagen“ 2,30 m bei direkter Bebauung, bzw. 2,10 m bei niedrigen Einfriedungen. Diese Breiten sollten an keiner Stelle unterschritten werden.
  • Kein Parken auf Gehwegen zulassen. Es gibt genügend Stellplätze im privaten Raum, die Anzahl der Parkplätze am Straßenrand ist überdimensioniert.
  • Einseitiges Parken wechselseitig vorsehen, um überhöhte Geschwindigkeit zu vermeiden. Gutes Beispiel: Pfungstadt, Feldstraße (mit Busverkehr + Schule) (Luftbild)

Informationen zur erforderlichen Gehwegbreite:

  • Die Regelbreite für Gehwege beträgt 2,50 m. (www.geh-recht.info)
  • In der Weiterstädter Straße gibt es keinen Schwerlastverkehr und überwiegend niedrige Umfriedungen. Deshalb ist eine Mindestbreite von 2,10 m, bzw. 2,30 m bei direkter Bebauung  zulässig. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass der Bahnhof zu einem hohen Fußgängeraufkommen führt und deshalb eine Mehrbreite erforderlich ist.
  • Die tatsächlich geplante Gehwegbreite beträgt an vielen Stellen nur 1,48 m. Dies ist 62 cm zu schmal und wird bei „schief“ parkenden Fahrzeugen noch weiter reduziert werden. Wir weisen darauf hin, dass eine Gehwegbreite von <2,10 m nicht den Richtlinien entspricht.

Aktuell (September 2016) ist die Straße immer noch nicht umgebaut. Es gibt ein Befahrungsvideo:

Befahrung Weiterstädter Straße nach Westen


Der Kleinpartei Uwiga gibt es nicht genug Parkplätze. Sie hat im Mai 2014 den Antrag gestellt, dass es nach dem Umbau mehr als 47 Kfz-Stellplätze geben soll (SV-2014/0021). Der Antrag wurde von der SPD unterstützt.

Folgende Begründung stand in dem Antrag:

Die Zahl der vorgesehenen Stellplätze nach der Umgestaltung (47) ist verglichen mit den gegenwärtig vorhandenen Stellplätzen (102) nicht akzeptabel. Diese Stellflächen werden aktuell von Anwohnern und Besuchern genutzt, ohne dass eine  Beeinträchtigung anderer Verkehrsteilnehmer erfolgt.
Würde diese Kapazität eingeschränkt, so erfolgte ein Ausweichen der Nutzer auf andere Strassen und Plätze in der Umgebung. Dies mit allen negativen Begleiterscheinungen wie Suchverkehr, weiteren Wegen von und zum Zielort u.ä. Konflikte wären vorprogrammiert.

Die genannte Zahl von 102 Stellplätzen wird natürlich nur erreicht, wenn man das illegale, tolerierte Gehwegparken einbezieht..

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