Pförtnerampeln unerwünscht

In Darmstadt sind die Stickoxidwerte zu hoch. Deshalb müssen Maßnahmen getrofffen werden.

Eine gute Idee sind Pförtnerampeln, also Ampeln, die länger rot sind als der Verkehrsfluss es erfordert. Damit könnte die Anzahl der in die Stadt fahrenden Fahrzeuge reguliert werden.

Ein anderer Begriff dafür ist „Zuflussoptimierung“.

Warum gibt es bisher keine Pförtnerampeln?

a) Aussagen im Luftreinhalteplan

Zitat aus dem Luftreinhalteplan Darmstadt (2. Fortschreibung, Kapitel 7.3.1.12):

In der Wirkungsanalyse verkehrsbezogener Maßnahmen ist auch die Wirkung von Pförtnerampeln auf den Verkehrsfluss in Darmstadt und damit auf die Schadstoffemissionen berechnet worden. Mit bis zu 9 % NO2-Minderung stellt dies eine der wirksameren Maßnahmen dar.
In einer detaillierten Prüfung der vorgesehenen Stellen durch die Stadt Darmstadt ergaben sich aber an vielen der aufgeführten Punkte Probleme z.B. durch neue Belastungen innerhalb von Wohngebieten oder Sicherheitsbedenken durch einen möglichen Rückstau des Verkehrs bis auf die Autobahn.
In Anbetracht der hohen Schadstoffbelastung kann auf wirksame Maßnahmen nicht verzichtet werden. Um die vorhandenen Bedenken aufzugreifen und dennoch eine wirksame Alternative zu finden, wird durch die Stadt Darmstadt ein Gesamtkonzept zur Verkehrsverflüssigung im innerstädtischen Straßennetz beauftragt und umgesetzt. Dabei sollen ein ausreichender Stauraum in wenig sensiblen Gebieten und eine zweckmäßige Erfassung der Verkehrs- und Umweltlage genauso Berücksichtigung finden wie die Behinderung von ÖPNV und Rettungsdiensten.

Hier ein Auszug aus dem „Handbuch für Verkehrssicherheit und Verkehrstechnik der Hessischen Straßen- und Verkehsverwaltung“ (Kapitel 5.2.3):

„Ein anderer wichtiger Bereich der LSA-Steuerung ist die Zuflussbeeinflussung. Damit kann der Zufluss zu kritischen Streckenabschnitten oder Netzbereichen begrenzt werden, um die negativen Auswirkungen einer Überlastung des Verkehrsnetzes oder der dortigen Anwohner zu vermindern oder die Belastung (z.B. Stau mit Abgasproblemen) in unsensible Bereiche zu verlagern (BMVBS 2006). In diesem Fall ermöglicht eine Zuflussdosierung die Aufrechterhaltung einer ausreichenden Verkehrs- und Wohnqualität in ansonsten überlasteten Straßennetzen oder Streckenzügen.“
Kapitel 5.2.3.2:
„An Pförtneranlagen werden zu bestimmten Zeiten spitzenartig auftretende Verkehrsstärken, die bei einem ungehinderten Zufluss in der Innenstadt Staus, Zusammenbrüche des Verkehrs an Knotenpunkten und deren negative Begleiterscheinungen wie Lärm, Abgase und Unfallgefahren erzeugen würden, bewusst zurückgehalten.
Dies ist vorteilhaft für
  • die Bewohner und Besucher der Innenstadt.
  • den motorisierten Individualverkehr selbst, der am meisten dann betroffen ist, wenn Knotenpunkte im Innenstadtbereich zugestaut sind.
  • den ÖPNV, der innerhalb des geschützten Gebietes nicht mehr durch Staus behindert wird und vermehrt Spielraum gewinnt, mit Hilfe eines Anforderungssystems eine Bevorrechtigung an LSA zu erhalten.
Der in die betroffenen Bereiche einfließende Verkehr muss insgesamt nicht länger warten, jedoch wartet er an anderer Stelle.
Ich habe damals eine Einwendung zum Luftreinhalteplan geschrieben:
„Nach meiner Auffassung können und sollten sowohl an der L3097 Kranichsteiner Straße, an der B26 Hanauer Straße als auch an der B3 Karlsruher Straße Pförtnerampeln eingeführt werden.
Diese Maßnahme ist auch erforderlich, denn mit den aktuell geplanten Maßnahmen wird der NO-Grenzwert voraussichtlich nicht eingehalten werden.“

b) Pförtnerampel an der B26 / Kreuzung Heinrichstraße

Die Fraktion Die Linke hat eine kleine Anfrage gestellt. Die Antwort steht in diesem sehr aufschlussreichen Dokument.

Die Stadt Darmstadt plant nämlich an der Straßenunterführung beim Ostbahnhof den Bau einer Busspur-Verlängerung. Alternativ könnte natürlich die Ampel an der Kreuzung Heinrichstraße als Pförtnerampel programmiert werden, so dass der Bus in der Unterführung nicht im Stau steht.

Aber: Die Ampel gehört Hessen Mobil, und Hessen Mobil weigert sich, eine Pförtnerampel-Programmierung vorzunehmen. Begründung:

„Es wurde befürchtet, dass es für die Verkehrsteilnehmer des MIV nur schwer nachvollziehbar sei, wenn sie am Doppelknoten warten müssten und der weitere Verlauf der Hanauer Straße zum Ostbahnhof frei von Fahrzeugen wäre.“

Zur Frage, ob die Stadt Darmstadt die Ampel übernehmen könnte, steht in der Antwort auf die kleine Anfrage:

„Hessen mobil als Straßenbaulastträger der B26 hat die LSA (Ampel) nicht der Stadt Darmstadt überlassen und zieht es auch in Zukunft nicht in Erwägung.“

Die Schlussfolgerung steht auch im Dokument:

„Da Hessen mobil weiterhin im Besitz der Lichtsignalanlage ist und bleibt und keinen Eingriff von städtischer Seite in ihr Signalprogramm vorsieht, ist eine Aufweitung der B26 nötig.“

Da sieht man, wie der Hase läuft. Bloß keine Maßnahmen angehen, welche tatsächlich den Autoverkehr ausbremsen. Dann lieber die Ampeln so umprogrammieren, dass sie noch attraktiver für den Autoverkehr werden  („Gesamtkonzept zur Verkehrsverflüssigung“).

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