Zentrenkonzept – Erzwungene Mobilität vermeiden

Wo ist der nächste Supermarkt?

Diese Frage muss leider oft beantwortet werden mit “im Gewerbegebiet”. Denn dort siedeln sich die großen Ketten an, mit großen Parkplätzen und großer Auswahl.
Die kleinen Geschäfte in der Innenstadt haben das Nachsehen und sind bedroht.

Wenn die Geschäfte in der Innenstadt erst mal dichtgemacht haben, bleibt den Bewohnern nichts anderes übrig, als zum Einkaufen an den Stadtrand zu fahren. Dies nennt man erzwungene Mobilität. Häufig ist es erforderlich, ein Auto zu nutzen, weil die Entfernungen so weit sind.

Was kann man dagegen machen?

Die Kommune kann festlegen, in welchen Bereichen großfächige Supermärkte genehmigt werden. Damit werden die Geschäfte in der Innenstadt vor der Günstig-Konkurrenz geschützt.

Darmstadt hat z.B. ein Zentren-Konzept entwickelt,

um die Vielfalt, die Attraktivität und den langfristigen Bestand einer typisch urbanen Nutzungsmischung in den Innenstädten und den Wohnquartieren zu steuern und zu sichern.
[Zentrenkonzept Stadt Darmstadt, S. 5]

Die bestehenden Geschäfts-Strukturen, insbesondere kleine Geschäfte, sollen geschützt werden.

Die Einzelhandelsstrukturen in den Stadtteilen sind vermehrt von Auflösungserscheinungen betroffen. Immer mehr kleinflächige, integrierte Nahversorger wurden geschlossen. Gleichzeitig sind vermehrt Lebensmittelmärkte in Rand- und nichtintegrierten Lagen eröffnet worden.
[Zentrenkonzept Stadt Darmstadt, S. 6]

Im Zentrenkonzept der Stadt Darmstadt wurden neben dem Stadtzentrum auch Stadtteilzentren definiert, in denen Dinge des täglichen Bedarfs eingekauft werden.
Außerhalb der definierten Zentren soll grundsätzlich kein Einzelhandel zugelassen werden, um unerwünschte  Konkurrenzangebote für die Zentren zu vermeiden.

Unter Fachleuten ist es unstrittig, dass sich die Entwicklung ab dem Jahr 2020 weiter verschärft. Dann gehen die geburtenstarken Jahrgänge der 60er ins Seniorenalter und bestimmen mit ihren Ansprüchen an Hedonismus und Ihrer Mobilität das Marktgeschehen.
Es ist zu befürchten, dass diese Gruppe kaum mehr die kleineren Innenstädte oder gar in den kleinteiligen Stadtteilzentren, sondern eher die großflächigen Handelszentren, Malls und Factory Outlet Center frequentieren wird, weil nur dort entsprechend hohe Ansprüche zu befriedigen sind.
[Zentrenkonzept Stadt Darmstadt, S. 12]

In der Studie wird ein düsteres Bild der Zukunft gezeichnet: Viele Geschäfte müssen schließen, lediglich der Onlinehandel und die Einkaufszentren florieren.
Der Schutz durch das Zentrenkonzept würde den Verfall nur verzögern, aber nicht stoppen.

Aktuell hat die große Mehrheit der Bevölkerung noch die Möglichkeit einer fußläufigen Versorgung, d.h. der nächste Lebensmittelmarkt ist nicht weiter als 500 Meter entfernt.
Die integrierten Altstandorte, beispielsweise im östlichen  Martinsviertel, im Woogsviertel oder in Bessungen sind von der Schließung bedroht, mit der Folge, dass für die betroffene Bevölkerung die fußläufige Versorgung nicht mehr gewährleistet ist.
[Zentrenkonzept Stadt Darmstadt, S. 19]

Traditionelle Muster im Einkaufsverhalten haben sich heute weitgehend aufgelöst. Für weite Bevölkerungsteile ist der Lebensmitteleinkauf mittlerweile zum periodischen Bedarf geworden; wöchentliche Großeinkäufe haben den täglichen Gang zum Kaufmann um die Ecke weitgehend abgelöst, lediglich „das vergessene Stück Butter“ wird noch dort gekauft.  [..]
Immer weniger Kunden kommen [..] in die Ortskerne. Diese Kunden fehlen auch in den anderen Geschäften, Umsatzrückgänge und Schließungen sind unvermeidlich.
[Zentrenkonzept Stadt Darmstadt, S. 17]

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