Parken im Woogsviertel – Bürgerbegehung

Die Stadt Darmstadt hat die Bürger eingeladen, bei einer Begehung durch das Woogsviertel und das Kapellplatzviertel die Parkprobleme mit den Verantwortlichen zu besprechen.

An zwei Terminen im Juli 2015 waren insgesamt ca. 100 Bürger vor Ort, um mit den Verantwortlichen zu diskutieren. (Dokumentation)

Die Vor-Ort-Termine gehörten zur geplanten Einführung der Parkraumbewirtschaftung in den beiden Quartieren, die im Februar dieses Jahres beschlossen wurde. (Artikel dazu)

„Gerade in diesen beiden Stadtvierteln ist der Park-Stress für Autofahrer, Anwohner und Fußgänger besonders hoch, weil viele Besucher der Innenstadt oder Einpendler hier parken.“

„Die Begehungen mit Bürgerinnen und Bürger im Woogs- und Kapellplatzviertel sollen dazu beitragen, dass die Parkraumbewirtschaftung bürgernah und standortgerecht umgesetzt werden kann. Hier gibt es Spielräume, und ich bitte die Anwohner in beiden Quartieren herzlich, sich einzubringen.“

Quelle:
www.darmstadt.de

Update 18.7.:

Eine Initiative aus Schülern einer Berufsschule, die im Woogsviertel liegt (Peter-Behrens-Schule), protestierte gegen die geplante Einführung von Parkgebühren.

Aus einem Echo-Artikel vom 18.7.15:

„Viele seien aufs Auto angewiesen, da sie teilweise weit entfernt in der Region Darmstadt-Dieburg, Bergstraße, Odenwald und Ried wohnten oder dort ihren Ausbildungsplatz hätten.“

Ihr Vorschlag ist, dass sie einen Anwohner-Parkausweis gegen eine „geringe Gebühr“ bekommen, der nur während der Schulzeit gilt.

Kommentar dazu:

1) Anwohnerparken wird einführt, damit nur noch Anwohner im Woogsviertel parken.
Die Hoffnung der Anwohner ist ja gerade, dass die „Fremdparker“ nicht mehr dort parken.

2) Warum sollten bestimmte Nutzergruppen weniger zahlen als andere? Wer z.B. ehrenamtlich im Woogsviertel arbeitet, bekommt noch weniger Geld als ein Auszubildender oder Berufsschüler. Ein Parkplatz hat einen Wert, für den zukünftig eine Gegenleistung erfolgen soll.

7 Gedanken zu „Parken im Woogsviertel – Bürgerbegehung“

  1. sicher eine Stadt, die eh schon mit bei den teuersten Parkhauspreisen Deutschland ist, löst sich auf. Parkraumbewirtschaftung, wurde dieses Wort für die Deutschen erfunden um noch mehr zu verwalten und für Sachen zu kassieren die einmal selbstverständlich waren? Vielleicht sollte man auch all die Anlieger, die nicht einmal genug Parkplätze für ihre eigenen Wohnungen und Grundstücke haben entsprechend zum Ausgleich heranziehen, so ein nicht vorhandener Parkplatz kostet ja eine recht hohe Ablöse von zigtausend Euro je fehlendenm Parkplatz. Wie lange wollen sich diese Anlieger denn noch auf alten Bestand beziehen, diese Einstellung ist dann auch reichlich überholt und verstopft die Strassen auch nicht unerheblich. Das alles würde der Stadt für den unnötig hohen Aufwand den sie hier als Feldforschung verkauft doch sicher entgegenkommen. Vielleicht verkauft oder vermietet sie gleich die ganze Bewirtschaftung an die vorhandenen teueren Parkhausbetreiber wie Q.Park und Co, die ja auch nicht wirklich einen guten Ruf haben, aber mit solchen Geschichten hat die Stadt ja Erfahrung.
    Wie dem auch sei, die einfachste Lösung werden die Kunden der Innenstadt parat haben, sie flüchten dann in ein nicht sonderlich besseres aber vor den Toren Darmstadts gelegenes Einkaufszentrum mit freien Parkplätzen ohne Stress. Ich hoffe nur das in der immer mehr verödenden Innenstadt dann niemand jammert, das es dann plötzlich so lebenswert, still und trostlos wird.

  2. Gibt es denn für das Woogsviertel eine Auflistung, wieviele PKW die Anwohner haben, bzw. wieviele Stellplätze (sowohl privat als auch an den Straßen) diesen gegenüberstehen? Das sollte man befragen, ist sinnvoller als jeder Rundgang meiner Meinung nach.
    Ohnehin ist ein Rundgang an einem Montag um 18 Uhr für viele Arbeitnehmer kaum zu erreichen. Da stellt sich die Frage, inwiefern Ergebnisse repräsentativ sind. Ohne etwas unterstellen zu wollen, aber es besteht die Möglichkeit, dass die Teilnehmer solcher Rundgänge alleine aufgrund der Zeit vielleicht eher Menschen sind, die vor Ort arbeiten oder vielleicht nicht (mehr) arbeiten und daher ggf. weniger auf das Auto angewiesen sind und diese Flexibilität von allen fordern. Diesen Eindruck habe ich in manchen Diskussionen. Wenn dann z.B. ein Lehrer, der vor Ort an einer Schule arbeitet sagt: „Heute braucht man kein Auto mehr. Fahrrad ist genauso schnell und wenn man ein Auto braucht kann man eines leihen“ – Dann ist das für ihn sicherlich richtig, darf aber nicht pauschal auf alle Anwohner angesehen werden.

    Das ist genauso, wie wenn begründet wird, die Studenten brauchen keine Parkmöglichkeit, die haben ein Semesterticket. Als ich selbst noch gependelt bin und nicht vor Ort in DA gewohnt habe, habe ich mit dem Zug+Bus+Bahnen teilweise mehr als 4 Std. am Tag gebraucht. Wenn man eher auf dem Land wohnt, dann funktioniert das ohne Auto nicht, da man stellenweise nach 18 Uhr garkeine Verbindungen mehr hat –> Ergo parkte ich damals auf den freien Stellplätzen der Lichtwiese und konnte dann ggf. mit dem Bus in die Stadt… Heute müssen sich die Studenten dann eben auch Parkplätze in Wohngebieten suchen, wenn ihnen die Abzocke auf der Lichtwiese zu teuer ist.

    Ich habe momentan ohnehin so meine Zweifel, ob die Parksituation tatsächlich entschärft wird, wenn man das Parken auf Anwohner reduziert. Wenn ich mir die Autos in unserer Straße anschaue, habe ich den Eindruck, dass das überwiegend Anwohner sind. Und schaut man sich an, wie wenige Häuser Stellplätze oder Garagen haben ist die Parksituation auch nicht verwunderlich. Da die derzeit (wenn auch unangenehmen) Gehweg-Ich-Quetsch-Mich-Noch-Hin-Parkplätze ja wegfallen – durchaus aus gutem Grund – wird die Situation eher noch kritischer.

    Die derzeitigen Pläne halte ich leider hauptsächlich für Geldmacherei der Stadt.
    Gibt es denn eine Verordnung, dass bei zukünftigen Neu- oder Umbauten die Eigentümer sich nicht mehr vom Stellplatznachweis „freikaufen“ können? Prüft denn das Bauamt, ob nicht auch privaten Eigentümer die Schaffung zusätzlicher Stellplätze in Hofbereichen zur Auflage gemacht werden könnte? Wird kontrolliert, ob Garagen auch als solche genutzt werden oder (entgegen der Bau- und Nutzungsgenehmigung!) doch nur als zusätzlicher Lagerraum genutzt werden? Werden Durchfahrten geprüft, ob diese auch breit genug für Fahrzeuge sind oder gar mit Eingangstüren versehen sind, so dass die offiziel angemeldeten Stellplätze im Hinterhof garnicht erreicht werden können? –> Passiert alles nicht! Aber es wird über zusätzliche Kosten „geregelt“. Das ist traurig.
    Wo sind denn eigentlich die ganzen Gelder hin, die als Ersatz für einen Stellplatznachweis an die Stadt gezahlt wurden, damit diese zusätzlichen Parkraum schafft? Wo sind diese Parkplätze? Und da darf man jetzt nicht mit der Lichtwiese oder dem Messplatz oder teuren, gewerblichen Parkhäusern o.ä. kommen. Ich finde alle Parkplätze, die nicht in Wohnraumnähe geschafft werden, sind keine adäquater Ersatz und werden auch nicht genutzt. Kosten diese zusätzlich viel Geld, so sind das gewerbliche Parkplätze, die nichts mit der „erkauften“ Parkplatzschaffung durch die Stadt zu tun haben.

    Es ist nun mal so, dass heute mit mindestens einem Auto pro Wohneinheit zu rechnen ist. Teilweise auch zwei. Ich bin zwar auch für Angebote wie dem ÖPNV oder Car-Sharing, die häufig als Alternativen hervorgehoben werden und die ich auch nutze. Realistischer Weise muss man jedoch sagen, dass diese nur für einen geringen Teil der Bevölkerung tatsächlich praktikabel sind. Viele brauchen das Auto, um auf die Arbeit zu kommen oder auch beruflich mobil sein zu können. Wenn die Firma außerhalb in einem Gewerbegebiet im Odenwald liegt, dann kann der Darmstädter ÖPNV super sein, er bringt einem dennoch nichts.
    Fahrgemeinschaften funktionieren auch nur, wenn man ähnliche Wege und Arbeitszeiten hat. Zudem basieren diese meist auf Gegenseitigkeit: „Diese Woche ich, nächste Woche du“ –> Das führt nicht zu weniger Autos, sondern dazu, dass die vorhandenen Autos entweder genutzt werden oder eben auf dem Stellplatz bleiben. Auch Radfahren ist nur einem bestimmten Teil der Arbeitnehmer möglich. Entweder die Entfernung, fehlende Möglichkeiten am Arbeitsplatz zu duschen oder schlicht weg der berufliche Bedarf des Autos… Man kann ja in der Regel schlecht zu einem Kundentermin mit dem Fahrrad kommen, nach dem Motto: „In drei Stunden bin ich da – haben Sie eine Duschmöglichkeit?“

    1. Vielen Dank für Ihren ausführlichen Kommentar.
      Ich versuche, einige Ihrer Fragen zu beantworten:

      a) Gibt es für das Woogsviertel eine Auflistung, wieviele PKW die Anwohner haben, bzw. wieviele Stellplätze diesen gegenüberstehen?
      Im Woogsviertel gibt es 5.080 Einwohner (Statistik Stand 2014 Tabelle 2.12) und 2.080 Fahrzeuge (Firmenwagen sind nicht berücksichtigt), das sind 410 Fahrzeuge pro 1.000 Einwohner.
      Aus der Magistratsvorlage:

      Das Parkraumangebot liegt bei 0,72 Abstellplätzen pro Einwohner.
      Der Anteil des öffentlichen [..] Parkraums am gesamten Stellplatzangebot macht im Kapellplatz-/ Woogsviertel 50 % aus.
      Tagsüber machen Fremdparker 57 % der Parkraumnachfrage im öffentlichen Straßenraum aus.

      Ich schätze das Parkraumangebot im öffentlichen und privaten Raum bei jeweils ca. 700 Stellplätzen (Woogsviertel, westl. Beckstraße).

      b) Die derzeitigen Pläne halte ich leider hauptsächlich für Geldmacherei der Stadt.
      Alle Bewohner der Stadt profitieren von Gebühren, die eingenommen werden. Wenn ich eine Veranstaltung auf der Straße machen möchte, muss ich Gebühren zahlen (Sondernutzungserlaubnis). Genauso sind Gebühren fällig, wenn vor einem Geschäft Kundenstopper stehen. Wenn ich aber mein Auto im öffentlichen Raum abstelle, ist das umsonst. Ist das gerecht? Ich finde, nein.

      c) Gibt es denn eine Verordnung, dass bei zukünftigen Neu- oder Umbauten die Eigentümer sich nicht mehr vom Stellplatznachweis „freikaufen“ können?
      Nein. Die aktuelle Stellplatzsatzung wurde zuletzt im Jahr 2009 geändert. Auszug daraus:

      § 6 Ablösung (1) Die Herstellungspflicht für Stellplätze [..] kann [..] durch Zahlung eines Geldbetrages abgelöst werden, wenn die Herstellung der Garagen oder des Stellplatzes [..] nicht möglich ist. Ein Ablöseanspruch besteht nicht.

      Im Woogsviertel kostet die Ablösung 6.500 EUR (Zone 3).

      d) Es ist nun mal so, dass heute mit mindestens einem Auto pro Wohneinheit zu rechnen ist. Teilweise auch zwei.
      Nicht korrekt. Gemäß Statistik (Tabelle 6.3) gibt es im Woogsviertel 3.070 Wohneinheiten und 2.080 Fahrzeuge. Also 0,7 Autos pro Wohneinheit.

      e) Man kann ja in der Regel schlecht zu einem Kundentermin mit dem Fahrrad kommen, nach dem Motto: „In drei Stunden bin ich da – haben Sie eine Duschmöglichkeit?“
      Es spricht doch nichts dagegen, mit dem Auto zu einem Kunden zu fahren:
      Entweder Sie wohnen außerhalb und haben einen Termin in Darmstadt. Dann kaufen Sie sich ein Parkticket.
      Oder Sie wohnen in der Stadt und haben einen Termin außerhalb. Dann bekommen Sie einen Anwohner-Parkausweis, wenn Sie keinen Stellplatz auf dem Grundstück haben. Der wird ca. 120 EUR pro Jahr kosten und damit sehr günstig sein (im Vergleich zu den Kosten für einen privaten Stellplatz).

  3. Hallo,
    vielen dank für Ihre Antwort!

    Was mir noch bzgl. der Anzahl der PKW eingefallen ist. Hier habe ich noch so meine Bedenken, ob die 0,7 Fahrzeuge/Wohneinheit tatsächlich so stimmen. Da müsste man natürlich wissen, wie genau die Zählungen erfolgt sind.
    Es ist natürlich schwierig, das zu erfassen und vermutlich nur über Schätzungen oder über die Daten der Zulassungsstellen etc. zu machen. Aber ich sehe hier schon ein gewisses Fehlerpotenzial:
    – Auch Firmenfahrzeuge müssten den Bewohnern zugerechnet werden, da auch diese Abends hier parken.
    – Gerade in einer Studentenstadt ist es schwierig zu erkennen, wer ein Auto hat. Häufig sind diese noch auf die Eltern angemeldet (günstigere Versicherung etc.) und daher nicht z.B. über Darmstädter Zulassungsbehörden erfasst oder über Datenbanken dem eigentlichen Bewohner zugeordnet.
    – Auch die Frage der Fremdparker ist dadurch schwierig zu beurteilen. Bei uns im Hof beispielsweise haben bestimmt 2/3 der Autos fremde Kennzeichen. Ich denke, dass sieht dann auf den Straßenparkplätzen nicht viel anders aus. Hier sehe ich die Gefahr, ein Auto mit „OF“-Kennzeichen naheliegend als Fremdparker zu kategorisieren, obwohl es einem Anwohner gehört.

    Daher denke ich, man sollte hier mit größeren Sicherheitszuschlägen rechnen und einfach ein Auto pro Wohneinheit ansehen. Auch perspektivisch, da vermutlich eher mit Zuwachs zu rechnen ist und z.B. über den Anstieg von Singlewohnungen und WGs auch häufig der Anteil der Erwachsenen und damit potenzieller Autofahrer höher ist, als bei Familienwohnungen. Dadurch könnte (habe keine Daten, aber ist eine Vermutung) auch die Anzahl der Wohneinheiten steigen, die ggf. 3 Bewohner mit jeweils einem Auto haben können.

    Wie gesagt, ich halte die statistische Erfassung für sehr schwierig und plädiere daher für mehr Reservedenken.

  4. Die Stadt könnte lieber dafür sorgen, dass es mehr geeignete Parkplätze gibt. Man liest immer, dass die Leute doch nicht auf der Straße parken sollen, sondern auf ihren Stellplätzen oder in ihren Garagen. Das ist in manchen Gegenden sicher richtig, aber die große Schande sind die vielen Wohnhäuser, die z.T gar keine Stellplätze haben. Wer hat diese denn genehmigt? Vor allem bei gewerblich vermieteten Objekten (Bauverein etc.) sollte das Schaffen zusätzlicher Parkmöglichkeiten eine Auflage werden.

  5. Wenn es wirklich nur darum geht, die Parksituation zu verbessern und zu ordnen, dann frage ich mich, warum ein Anwohnerparkausweis 120€ Kosten soll? Man könnte diese auch so an die Anwohner ausgeben. Meinetwegen gegen eine einmalige Bearbeitungsgebühr von ca. 30 Euro. Würde man dann regelmäßig kontrollieren und konsequent Bußgelder für unberechtigtes Parken verlangen, dann könnte man den Aufwand gegenfinanzieren und es wäre allen geholfen. So wird es aber vermutlich darauf hinauslaufen, dass es teure Parkausweise gibt, die Stadt aber kaum Kapazitäten zur Kontrolle hat und man dann als Anwohner genauso jeden Abend 20 min. um den Block fährt und keinen Platz bekommt – nur eben 120 Euro ärmer.

    Auf die Nachfrage, warum das Parken kostenlos sein solle und ob das nicht ungerecht sei? Da stellt sich die Frage, warum ich als Anwohner in der Innenstadt (bzw. als Anwohner des Woogs- oder Martinsviertels, bei ohnehin schon hohen Mieten) noch mehr für das Parken ausgeben soll, während man als Bewohner anderer Stadtviertel/-teile einfach kostenlos auf der Straße parken kann? Man ist als Einwohner der Innenstadt genauso Einwohner wie jemand am Stadtrand und zahlt ebenso seine Steuern, von denen auch die Stadt Darmstadt profitiert.

    Ich verstehe, wenn man Auswertige aus den Wohnvierteln herausbekommen möchte, doch das auf Kosten der angeblich zu schützenden Anwohner zu machen, leuchtet mir nicht ein.

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